Quo vadis Emanzipation

Quo vadis Emanzipation?

Der Spiegel(Online) veröffentlichte einen Artikel zum Thema Gleichstellung:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,487687,00.html

Ich war schon wieder schockiert.

Im Artikel geht es darum, dass Frauen im Durchschnitt geringer entlohnt werden.
Das ist eine Feststellung, die uneingeschränkt richtig ist.

Nun fordern einige Politikerinnen, die offenbar des Weiterdenkens nicht mächtig sind, dass für Frauen ein niedrigerer Lohnsteuersatz gelten soll.

Die Begründung dafür ist, dass Frauen dann unter dem Strich das gleiche Geld verdienen wie ihre männlichen Kollegen.

Wenn man das erstmal so hinnimmt, klingt das alles auch vollkommen logisch und gerecht.
Ich persönlich sehe keinen Grund, Frauen weniger Geld zu geben als Männern. Dass wir eine ungerechte Situation haben, ist aber doch wohl Anreiz, sie zu ändern und anzugleichen, oder seh ich hier völlig falsch?

Denken wir mal weiter und beachten dabei die bisherige Strategie der Arbeitgeber.

Wenn eine Frau nun weniger Lohnsteuer bezahlen muss, liefert das, rein netto-finanziell gesehen, eine Gleichstellung.

Doch wie werden Arbeitgeber darauf reagieren? Werden sie weiterhin das gleiche Gehalt zahlen? Oder wird es Unternehmern eher eine willkommene Wenigerbelastung bedeuten?

Ausgehend von der vorhanden Gier des Menschen, werden Arbeitgeber die Löhne noch weiter senken, soweit bis Frauen unterm Strich wieder genausoviel oder gar weniger Geld bekommen wie vor der Steuersenkung.

Keineswegs wird dieser Kurs zu einer Gleichbehandlung sondern einer noch deutlichern Herausstellung der Lohnunterschiede führen.

Die Politikerinnen argumentieren, dass sich damit die Löhne angleichen werden und irgendwann Männer und Frauen wirklich auch das gleiche Bruttogehalt bekommen.

Nehmen wir erstmal unvoreingemommen an, es entwickelt sich so.

Dann haben wir eine Ungleichverteilung auf Seiten der Männer. Frauen müssen dann weniger Steuern zahlen als Männer, bei gleichem Bruttogehalt.

Ungeklärt auch, wann denn diese Bevorzugung wieder zurückgezogen wird. Etwa wenn im statistischen Mittel beide Gehälter gleich sind? Sorry, ich muss lachen.

Nehmen wir nun die Gier des gemeinen Arbeitgeber hinzu.

Wird der Arbeitgeber Frauen mehr Brutto zahlen, wenn sie weniger Steuern zahlen müssen? Ganz sicher nicht. Das widerstrebt jedem wirtschaftlichen Grundgedanken(nach A.Smith).

wohin also führt uns dieser Vorschlag?

Richtig – in eine Sackgasse. Die Gehälter bleiben so wie sie sind, für Frauen werden sie evtl sogar noch verringert.

Ich finde es unglaublich, wie man solcherlei blauäugige Vorschläge machen kann. Der Mensch ist nunmal gierig! – keineswegs gerecht, wie die Erfahrung uns lehrt.

Ich habe außer staatlicher Kontrolle der Gleichstellung keine anderen Vorschläge, das Problem zu lösen. Zu meiner Verteidigung: ich bin informatiker, kein Wirtschaftler/Politiker.

In jedem Falle wird diese Maßnahme unweigerlich zu einer Versackung des Gleichstellungsprozesses führen.

Spiegel schrieb:
>>Die Professoren Alberto Alesina von der US-Eliteuniversität Harvard und Andrea Ichino von der Universität Bologna hatten in einer Studie festgestellt:
Steuersenkungen nur für Frauen würden deren Chancen auf Jobs erhöhen und langfristig die Arbeitsaufteilung innerhalb der Familie verändern.<<

Das ist wohl wahr. Aber zu einer Gleichbehandlung wird es nicht führen. Dass dieses Konzept von Männern ausgearbeitet wurde, beweist weiterhin: Die Männerwelt in Italien versucht gar nicht, Frauen gleich zu behandeln.

Es ist viel einfacher und vor allem viel patriarchaischer, Frauen vom Staat gleichberechtigen zu lassen als echte Gleichstellung in den Köpfen der Männer zu schaffen oder zu erzwingen(was der staat auch könnte).

Das Argument, dass die deutsche Verfassung es vorsieht, Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln, bedeutet doch nicht, dass Ungleichheit gefördert werden sollte.

@Nico

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