„ähm“ als sprachliches Mittel

Der Füllbuchstabenhaufen „ähm“, den ich fortan als Wort bezeichnen will, hat einen schlechten Ruf. Allgemein gilt er als Zeichen des Nichtwissens, Nichtvorbereitetseins oder einfach der Unfähigkeit, saubere Sätze zu formulieren.

Zu Unrecht, wie ich finde!

Nicht die alleinige Nutzung des Wortes zeugt von wenig Intelligenz. Nur die unwillkürliche, häufige Nutzung hat diesen Effekt.

So ist ein Verhältnis von mehr als einmal Ähm zu weniger als 20 Sätzen häufig als ungünstig einzustufen.

Weniger Ähms im gesprochenen Text führen beim Zuhörer häufig zu der Annahme, der Sprecher wäre eine Maschine, trainiert und furchtbar gewissenhaft in seiner Vorbereitung.

Trifft man jedoch genau das richtige Verhältnis, entsteht eher Sympathie. Ha, der ist also auch doch ein Mensch! Diese Erkenntnis fördert den Abbau von Wissensaufnahmehemmungen seitens des Zuhörers ungemein! Ein gezieltes Ähm in der Mitte einer Präsentation, nachdem man schon vier bis fünf Sätze lang vom Thema abgekommen ist, zeugt von Hingabe, von Enthusiasmus und nicht rein auswendig gelerntem Informations-Spamming.

Ein Ähm schafft auch  gleichzeitig eine Pause, die vom Zuhörer verständnisvoll gewährt wird und nicht als eloquent herablassende Denkpause gesehen wird, in der der geistig nicht ganz so gut bestückte Zuhörer das soeben höchst kompliziert und fachmännisch ausgedrückte Satzkonstrukt verdauen kann.

Ähm, ja, keine Ahnung wo es weiterging aber das soll jetzt nicht das Thema sein.

Denn das ist bereits abgeschlossen und nicht weiter ausbaubar, wie ich finde. Lästige Studien und Ähm-Vorkommaneanalysen brauchen wir hier nicht. Diese rein subjektive Wahnehmungswiedergabe muss ausreichen. Welcher Germanistik-bewanderte Soziologe auch immer sich dessen annehmen möchte, sei hiermit herzlich dazu eingeladen!

 

Nico

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